Grenzgang 2021: Auf alten, neuen und wieder entdeckten Pfaden und Wegen

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Die beliebte und traditionelle Wanderung fand nach dem coronabedingten Ausfall 2020 wieder statt. Fast 150 Gäste konnte Roland Hartmann von der Agenda-Gruppe Weiten-Gesäß vor dem alten Schulhaus begrüßen.

Er dankte dem ehemaligen Agenda-Mitglied Adam Heusel für viele Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. U. a. hat er viele Grenzgänge geplant und angeführt.

Agenda-Mitglied Günther Groh stimmte die Grenzgänger/innen dann auf die Wanderung ein, indem er eine kurze Wegbeschreibung im Weiten-Gesäßer Dialekt gab, was sich so anhörte: Mer gäin oan de Schul nuff, es Häddepäädsche oanne, die Houl nunna, es Miehldoal hinne naus un die Hälle noi. Fäddisch.
Mit dem alten Volkslied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ bewegte sich dann ein langer Lindwurm langsam bergauf. Auf der Strecke folgten viele interessante Informationen.

Das Weiten-Gesäßer Schulhaus wurde erst 1846 erbaut, vorher war hier ein Schafstall. Bei dem ersten Halt in den sogenannten „Straußäckern“ erläuterte Groh anhand einer 156 Jahre alten Flurkarte von der „Gemarckung Weiten-Gesäß um 1865“ (Gemarckung mit ck) die Aufteilung in Flure und Flurstücke. Viele der genannten Bezeichnungen sind in Vergessenheit geraten und nur noch alten Weiten-Gesäßern bekannt. Nach der Wanderung wissen jetzt auch die Jüngeren wo z. B. die „Roud Soulje“ (rote Sohl), die „Märzäcker“, der „Katzenbuckel“, die „Brunnenwiesen“, das „Mühlfeld“ und der „Schmoalmisch“ (Schmalberg) sind.
Die Route folgte von der „Kreizgasse“ bis zum „Märzensee“ dem neuen, von der Agenda-Gruppe angelegten, „Weiten-Gesäßer Kuhparkweg“.

An der Blumenwiese referierte Harry Löb anschaulich, mit sehr viel Fachwissen über „Obstbäume, Streuobst-/Blumenwiesen und Bienen“.
Er hatte zwei Äpfel mitgebracht und fragte woran man erkennt welcher im Supermarkt gekauft wurde. Seine humorvolle Antwort: Der mit dem Aufkleber.
Er forderte das Publikum auf, Obstbäume zu pflanzen, Blühstreifen anzulegen und auch mal ein paar „Unkrautecken“ im Garten zu dulden. Das kommt den Bienen, anderen Insekten und Kleintieren zu Gute.

Weiter ging’s durch den „Kleinen Urwald“, ein Paradies für Kinder mit Kletterbäumen, Wasserspielplatz und zwei kleinen Quellen, den „Märzebrünnchen“. Nach dem neu angelegten Grillplatz hinter der Märzenseehütte führte der Weg weiter in den Mühlgrund.

Durch den „Dachsbau“, einem kurzen, steilen Anstieg kam die Gruppe zum alten Weiten-Gesäßer Reservoir von 1905. Noch heute ist es in Betrieb und versorgt den talwärts liegenden Märzensee mit Wasser.
Förster Burkhard Klose, der schon viele Jahre am Grenzgang teilnimmt, sprach hier über „Jagd, Wild-/Weidetiere, Land-/Forstwirtschaft – Konflikte und Lösungen“. Die immer größer werdende Wildschweinpopulation führt zu Wildschäden auf den Feldern, die oft nur durch stabile Zäune verhindert werden können und fordert auch höhere Abschusszahlen von den Jägern. Das Rehwild verursacht Schäden im Wald und bevorzugt kleine Eichenbäumchen. Auch hier muss der Jäger regulierend eingreifen. Sollte der Wolf auch bei uns wieder heimisch werden, würde er den Jäger bei dessen Arbeit „unterstützen“. Weidetiere müssten aber durch entsprechend hohe und feste Zäune oder Hütehunde geschützt werden.

Da Weiten-Gesäß früher keine Kirche und bis 1828 auch keinen Friedhof hatte, ging man zu Fuß und transportierte den Sarg mit dem Pferdefuhrwerk zum Michelstädter Friedhof. Diesem „Kirchenweg“ talwärts folgend kam die Gruppe dem Ziel und damit dem Mittagessen näher.
Am „Großen Brunnen“, der Station 1 des Kuhparkweges, haben inzwischen fleißige „Agendten“ (Mitglieder der Agenda-Gruppe) viele Tische und Bänke aufgestellt, Erbsensuppe und Würstchen heiß gemacht und die Getränke gekühlt; niemand musste hungrig oder durstig nach Hause gehen. Es war zwar kein sonniger aber ein warmer Herbsttag deshalb konnten wir den Nachmittag mit Kaffee und „Riwwelkuche“ (Streuselkuchen) gemütlich ausklingen lassen.

Günther Groh
Mitglied Agenda-Gruppe Weiten-Gesäß